Aktuelles

  • Bullshit-Konsum

    „Ebenfalls im Zunehmen begriffen ist Bullshit-Konsum, also der Konsum von Dingen und Dienstleistungen, deren Verschwenden keinen Einfluss auf die Gesellschaft hätte. Man findet ihn zum Beispiel unter Menschen, die durch die Rente einiges an Vermögen angehäuft haben und den Überschuss an Reichtum dafür benutzen, ihn zur Schau zu tragen. Aber trifft das wirklich nur auf Reiche zu? Keineswegs.“

    (Seito, Kohei, Am Ende des Fortschritts, Überleben in den Ruinen des Kapitalismus, S. 87)

  • Warum wir immer mehr Unsinn produzieren

       

    1.1          Unsinn durch sinnlose Wettbewerbe

    Mathias Binswanger. Sinnlose Wettbewerbe. Warum wir immer mehr Unsinn produzieren. 2010

    Je mehr Wettbewerb – desto mehr Wachstum, das ist der fatale Irrtum des einseitigen Marktdenkens. Schließlich soll sich doch der, die oder das Beste durchsetzen. Also versucht man, auch dort, wo es keinen Markt gibt, künstliche Wettbewerbe zu inszenieren, um z.B. Wissenschaft, Bildung oder Gesundheitswesen auf Effizienz zu trimmen. Doch dies führt nicht zu mehr Qualität, sondern dazu, dass viele Menschen freudlos und gestresst mit Akribie und Fleiß Dinge hervorbringen, die niemand braucht. Der kompetente Autor vertritt die Meinung, dass diese Produktion von Unsinn zwar Arbeitsplätze schafft, doch fatale Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft hat: Sinn wird durch Unsinn verdrängt, Qualität durch Quantität.

    Markt und Wettbewerb sind nicht identisch. Nur wo Wettbewerb und Markt zusammenfallen uns Marktwettbewerb herrscht, wirkt das Preissystem und kann für gute Marktergebnisse führen.

    1.2          Beispiele für schlechte Wettbewerbe

    Beispiel 1: Zu Kolonialzeit wollten die Franzosen die Rattenplage bekämpfen und bezahlten den Bewohnern von Hanoi für jeden abgelieferten Rattenpelz eine Prämie. Folge: Die Bewohner begannen Ratten zu züchten, was die Rattenplage verschlimmerte.

    Beispiel 2: Im 19. Jahrhundert wurden in China Knochen von Dinosauriern gefunden. Man versuchte, die Bauern zu animieren, sich an der Suche zu beteiligen und bezahlte für Funde eine Geldprämie. Folge: Die Bauern zerschlugen die Funde um ihr Einkommen zu verbessern.

    Beispiel 3: Heutzutage werden immer neue Krankheiten „entdeckt“. Ärzte werden für geheilte oder verhindere Krankheiten bezahlt. Folge: Es lohnt sich für sie, immer neue Gesundheitsdefizite zu entdecken. (17)

    Beispiel 4: Wissenschaftler müssen publizieren. Also packen sie ihre Inhalte in unzählige Papiere „Salamitaktik“. Folge: gnadenloser Publikationswettbewerb (17)

    1.3          Künstliche Märkte werden inszeniert

    Eine einfache Sicht: Bei den Produzenten führt eigennütziges Verhalten zu Gewinnmaximierung. Bei den Konsumenten führt eigennütziges Verhalten zu Nutzenmaximierung. Ergebnis: gute Produkte zu geringen Preisen. So führt auf Märkten die „unsichtbare Hand“ bei Adam Smith zu optimalen Ergebnissen.

    Allerdings sind die Voraussetzungen oft nicht gegeben: Zu wenig Anbieter, keine vollständige Information (asymmetrische Information), rationales Verhalten, etc.), irrationales Verhalten, Transaktionskosten, etc.)

    1.4          Markt und Wettbewerb

    Doch bedeutet mehr Markt auch mehr Wettbewerb und umgekehrt?

    Es gibt Märkte mit wenig Wettbewerb, z.B. Monopol, Kartell,

    Es gibt Wettbewerbe, die mit Märkten gar nichts zu tun haben. (46). Dazu gehören sportliche Wettbewerbe, wo es um Trophäen geht oder wenn Wissenschaftler um einen Zuschlag für Forschungsfinanzierung kämpfen.

    1.5          Künstlich inszenierte Wettbewerbe funktionieren nicht

    DDR, sozialistische Wettbewerbe in der Planwirtschaft. Beispiel Schuhproduktion. Die Schuhe wurden immer schwerer, da die Entlohnung nach Gewicht erfolgte. Ergebnis: Klobige schwere Schuhe, die keiner haben wollte.

    Outsourcing öffentlicher Dienstleistungen, z.B.: Strafzettel für falsches Parken führte zu Übereifrigkeit der Parkwächter.

    1.6          Leistungswettbewerb oder Wettbewerb um Rang

    Beim Sport spielt nicht die absolut gemessene Zeit eine untergeordnete Rolle, sondern des geht um den Rang, also relative Leistung. Ziel eines Professors ist dann nicht, eine wissenschaftliche Leistung zu erbringen, sondern mehr zu publizieren als andere Professoren. (54)

    1.7          Andere unsinnige Wettbewerbe

    Schüler lernen nur noch wegen der Noten

    „klug für den einzelnen, dumm für alle“ (Robert Frank. S. 58)

    Was individuell rational ist, ist oft kollektiv irrational.

    Anwaltskanzleien

    Rattenrennen. Gemessene Arbeitszeit

    Wenn Wettkampf zum dominierenden Zweck von Wissenschaftlern, Studenten, Ärzten, Mitarbeitern, gerät die Leistung i den Hintergrund, und der Wettkampf wird zum Selbstzweck.

    1.8          Beispiel Gesundheitswesen

    Gesundheitswesen entwickelt sich zu Beschäftigungsmotor. In Deutschland und der Schweiz arbeiten mittlerweile 11 bis 12 Prozent der Bevölkerung im Gesundheitswesen. USA 12,4 %. Tendenz steigend.

  • Warum dieser Überkonsum?

    Der Mensch will mehr. Der Löwe reißt eine Gazelle, frisst und zieht sich zur Ruhe in den Schatten zurück. Es gibt Berichte, dass einzelne Wölfe unter Schafherden regelrechte Massaker anrichten. Die Schafe können in der Umzäunung nicht fliehen und der Wolf ist überwältigt von diesem Angebot. Wölfe, die durch diese Eigenschaft auffallen, werden erschossen. Auf einer Tafel im Zentrum von Hermannstadt, Rumänien: “1650 Der Magistrat gibt neue Luxusgesetze heraus, die die Prunksucht eindämmen sollen.“

  • Herr K. fährt zum Fitness

    Herr K. fährt mit dem E-Bike zum Fitness Center, setzt sich dort auf ein Trimm-dich-Fahrrad und stellt Stufe 3 ein.

    Das E-Bike verbrauchte bei der Herstellung Ressourcen und belastet die Umwelt, der Betrieb des Fitness Centers und auch das Trimm-dich-Fahrrad. Herr K. hätte das normale Fahrrad nehmen können.

  • Fortschritt

    Das westliche Verständnis von „Entwicklung“ und „Fortschritt“ ist das Problem, nicht die Lösung. Es ist eine katastrophale Idee und die Ursache für die meiste Zerstörung, mit der wir heute konfrontiert sind. Edward Goldsmith (Engl. Ökologe, Träger des Alternativen Nobelpreises 1991)

    Fortschritt ist der Übergang von Situationen, deren Nachteile man schon kennt zu Situationen, deren Nachteile man noch nicht kennt. Arnold Gehlen (Deutscher Soziologe, 1904 – 1976)

  • Das Affenhirn und die Allmende

    Die Welt wird nicht am Kapitalismus zugrunde gehen, sondern am Affenhirn des Menschen. Der Mensch kriegt das Allmende-Problem nicht geregelt.

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