Warum wir immer mehr Unsinn produzieren

   

1.1          Unsinn durch sinnlose Wettbewerbe

Mathias Binswanger. Sinnlose Wettbewerbe. Warum wir immer mehr Unsinn produzieren. 2010

Je mehr Wettbewerb – desto mehr Wachstum, das ist der fatale Irrtum des einseitigen Marktdenkens. Schließlich soll sich doch der, die oder das Beste durchsetzen. Also versucht man, auch dort, wo es keinen Markt gibt, künstliche Wettbewerbe zu inszenieren, um z.B. Wissenschaft, Bildung oder Gesundheitswesen auf Effizienz zu trimmen. Doch dies führt nicht zu mehr Qualität, sondern dazu, dass viele Menschen freudlos und gestresst mit Akribie und Fleiß Dinge hervorbringen, die niemand braucht. Der kompetente Autor vertritt die Meinung, dass diese Produktion von Unsinn zwar Arbeitsplätze schafft, doch fatale Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft hat: Sinn wird durch Unsinn verdrängt, Qualität durch Quantität.

Markt und Wettbewerb sind nicht identisch. Nur wo Wettbewerb und Markt zusammenfallen uns Marktwettbewerb herrscht, wirkt das Preissystem und kann für gute Marktergebnisse führen.

1.2          Beispiele für schlechte Wettbewerbe

Beispiel 1: Zu Kolonialzeit wollten die Franzosen die Rattenplage bekämpfen und bezahlten den Bewohnern von Hanoi für jeden abgelieferten Rattenpelz eine Prämie. Folge: Die Bewohner begannen Ratten zu züchten, was die Rattenplage verschlimmerte.

Beispiel 2: Im 19. Jahrhundert wurden in China Knochen von Dinosauriern gefunden. Man versuchte, die Bauern zu animieren, sich an der Suche zu beteiligen und bezahlte für Funde eine Geldprämie. Folge: Die Bauern zerschlugen die Funde um ihr Einkommen zu verbessern.

Beispiel 3: Heutzutage werden immer neue Krankheiten „entdeckt“. Ärzte werden für geheilte oder verhindere Krankheiten bezahlt. Folge: Es lohnt sich für sie, immer neue Gesundheitsdefizite zu entdecken. (17)

Beispiel 4: Wissenschaftler müssen publizieren. Also packen sie ihre Inhalte in unzählige Papiere „Salamitaktik“. Folge: gnadenloser Publikationswettbewerb (17)

1.3          Künstliche Märkte werden inszeniert

Eine einfache Sicht: Bei den Produzenten führt eigennütziges Verhalten zu Gewinnmaximierung. Bei den Konsumenten führt eigennütziges Verhalten zu Nutzenmaximierung. Ergebnis: gute Produkte zu geringen Preisen. So führt auf Märkten die „unsichtbare Hand“ bei Adam Smith zu optimalen Ergebnissen.

Allerdings sind die Voraussetzungen oft nicht gegeben: Zu wenig Anbieter, keine vollständige Information (asymmetrische Information), rationales Verhalten, etc.), irrationales Verhalten, Transaktionskosten, etc.)

1.4          Markt und Wettbewerb

Doch bedeutet mehr Markt auch mehr Wettbewerb und umgekehrt?

Es gibt Märkte mit wenig Wettbewerb, z.B. Monopol, Kartell,

Es gibt Wettbewerbe, die mit Märkten gar nichts zu tun haben. (46). Dazu gehören sportliche Wettbewerbe, wo es um Trophäen geht oder wenn Wissenschaftler um einen Zuschlag für Forschungsfinanzierung kämpfen.

1.5          Künstlich inszenierte Wettbewerbe funktionieren nicht

DDR, sozialistische Wettbewerbe in der Planwirtschaft. Beispiel Schuhproduktion. Die Schuhe wurden immer schwerer, da die Entlohnung nach Gewicht erfolgte. Ergebnis: Klobige schwere Schuhe, die keiner haben wollte.

Outsourcing öffentlicher Dienstleistungen, z.B.: Strafzettel für falsches Parken führte zu Übereifrigkeit der Parkwächter.

1.6          Leistungswettbewerb oder Wettbewerb um Rang

Beim Sport spielt nicht die absolut gemessene Zeit eine untergeordnete Rolle, sondern des geht um den Rang, also relative Leistung. Ziel eines Professors ist dann nicht, eine wissenschaftliche Leistung zu erbringen, sondern mehr zu publizieren als andere Professoren. (54)

1.7          Andere unsinnige Wettbewerbe

Schüler lernen nur noch wegen der Noten

„klug für den einzelnen, dumm für alle“ (Robert Frank. S. 58)

Was individuell rational ist, ist oft kollektiv irrational.

Anwaltskanzleien

Rattenrennen. Gemessene Arbeitszeit

Wenn Wettkampf zum dominierenden Zweck von Wissenschaftlern, Studenten, Ärzten, Mitarbeitern, gerät die Leistung i den Hintergrund, und der Wettkampf wird zum Selbstzweck.

1.8          Beispiel Gesundheitswesen

Gesundheitswesen entwickelt sich zu Beschäftigungsmotor. In Deutschland und der Schweiz arbeiten mittlerweile 11 bis 12 Prozent der Bevölkerung im Gesundheitswesen. USA 12,4 %. Tendenz steigend.

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